Mondänes Rodenkirchen: Stadtführung in eine fast vergessene Zeit

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Hallo, ich bin Jana Behr und die "Heldin des Alltags"! Mein Blog ist eine Mischung aus "Sex and the City" und Literaturblog. Mein Wunsch: Euch ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und für einen Moment vom Alltag abzulenken. Viel Spaß! Ich freue mich über ganz viele Likes!
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Wenn ich bis letzten Donnerstag nicht wusste, warum ich mir als alleinerziehende selbstständige Mutter gerade den Edelstadtteil Rodenkirchen zum Leben ausgesucht habe, weiß ich es jetzt. Denn auf einer unglaublich spannenden Stadt- bzw. Veedelsführung von Elke Hecker erfuhr ich, wie mondän früher Köln und Rodenkirchen wirklich waren. Und das passt voll zu mir. Resümee einer Entführung in das flirrende Rodenkirchen des letzten Jahrhunderts… und auch der paar Jahrhunderte davor…

 

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Autobahnbrücke ca. 1955

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Autobahnbrücke ca. 1955, Foto: Thomas Gaida

Unternehmerinnen Rodenkirchen bei der Stadtführung von Elke Hecker, Foto: Christiane Wittkamp

Unternehmerinnen Rodenkirchen bei der Stadtführung von Elke Hecker, Foto: Christiane Wittkamp

Start unter der Rodenkirchener Brücke. Es ist laut. 80 Frauen warten gespannt darauf, was es über ihren Lebensmittelpunkt – Rodenkirchen – alles zu erfahren gibt. Das Erste ist schon einmal der Knaller: Köln und das wusste ich nicht, war im Hochmittelalter so um 1200 mit 40.000 Bewohnern die mit Abstand größte Stadt Europas (Paris, London usw. hatten um die 9.000 Einwohner) und das auf ganz wenigen Quadratkilometern. Kein Wunder also, dass sich die südliche Stadtumgebung irgendwann einmal zum Naherholungsgebiet für die in den Stadtmauern eingeengten Bewohner Kölns entwickelte. Ab 1919 lud das unglaubliche 5.000 Sitzplätze fassende „Café Rheinterrasse“ jeden Abend zu Tanz und Livemusik ein. Und, direkt jetzt wird mir klar: Rodenkirchen, du und ich gehören zusammen! Denn, was ist mein Lieblingshobby? Genau, ins Café gehen!!!

Warum die Kaffeehausmusik mit einem Mal verstummte

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Cafe Rheinterassen 1920

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Cafe Rheinterrassen 1920; Foto: Thomas Gaida

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Cafe Rheinterassen 1911

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Cafe Rheinterassen 1911

Dann folgte der etwas traurige Part unserer Sightseeing-Tour. Weil Hitler aus strategischen Gründen eine direkte Route zwischen Aachen und Köln erbauen wollte, wurde die Rodenkirchener Brücke erbaut und das Café 1938 geschlossen. Natürlich musste die Brücke direkt an dieser Stelle und konnte nicht 200 Meter versetzt erbaut werden. Sehr schade für das tolle Ausflugsziel, was damit für immer verstummte. Noch heute zeugt ein Reichsadler auf der linken Seite der übrigens ersten echten Hängebrücke Deutschlands und damals größten Hängebrücke Europas von dieser dunklen Zeit.

Schwingend zum heiligen Maternus

Rodenkirchen, Heldin des Alltags , Jana Behr

Gut gelaunt geht’s weiter…, Foto: Christiane Wittkamp

Nachdem der Hall von Swingmusik uns noch in den Ohren lag, weil unsere Stadtführerin die absolute Gabe besitzt, jedes einzelne noch so kleine Detail bildlich in all seinen Farben und Tönen auszumalen, machten wir uns auf den Weg zu einer noch 1700 Jahre früher lebenden  wichtigen Person für Rodenkirchen. Und zwar den ersten geschichtlich bezeugten Bischof von Köln, den späteren heiligen Maternus. Er ist der Namensgeber, zum Beispiel von unserem Maternusplatz, wo ich selbst fünf Jahre gelebt habe, der Maternusstraße und natürlich der Maternuskirche. Lustig, direkt am Ortseingang unten am Rhein gibt es eine Statue von ihm. Ehrlich: Mir ist sie noch nie aufgefallen. Aber ab jetzt werde ich ihm immer „Hallo“, sagen, wenn ich an ihm vorbeiradele. Es gibt wunderbare Geschichten von ihm, die wir dann später im kleinen „Kappellchen Alt St. Maternus“ noch erfuhren durften… So galt der heilige Maternus als Fürsprecher und Helfer in Wassernöten und noch heute gibt es ein Gedicht, das je nach Höhe des Hochwasserstands bei besagter Statue besagt, wann Rodenkirchen wirklich verloren ist, nämlich, wenn dem heiligen Maternus das Wasser mehr als bis zum Halse steht.

Hier das Gedicht:

Wenn et Huhwasser dem Matähn ahn de Föß kütt – dann tritt hä et fott
Wenn et im an de Buch kütt – dann däut he et fott
Wenn et im an de Häng kütt – dann schleit hä et fott
Wenn et im an de Mul kütt – dann speit hä et fott
Wenn hä ävver dat nie mieh kann – dann es Rudekirche verlore

Sind wir hier nicht alle ein bisschen Bluna?

Rodenkrichen, Heldin des Alltags, Jana Behr

Die Rodenkirchner Bootshäuser damals…, Foto: Thomas Gaida

Bootshäuser heute..., Foto: Christiane Wittkamp

Bootshäuser heute…, Foto: Christiane Wittkamp

Rodenkirchen, Jana Behr

…und noch ein Bootshaus…, Foto Christiane Wittkamp

Weiter ging es mit wunderbar mondänen Geschichten über die Villen, die das Rheinufer säumen. Zum Beispiel der heutigen „Villa Malta“, die der damalige Bürgermeister von Rodenkirchen für seine Ehefrau erbauen ließ. Allerdings finanzierte die aus sehr reichem Haus stammende diese zum größten Teil selbst (Selbst ist die Frau, nicht wahr Mädels?), weshalb das burgähnliche Gebäude auch erst einmal ihren Namen trug: „Villa Angonia“. Die Villa hatte sogar einen Burggraben! Und, wer wollte schon immer eigentlich Prinzessin sein und versteht gar nicht, warum sie genau das Gegenteil, also alleinerziehende selbständige Freelancerin geworden ist? Ich! Douze Points pour Rodenkirchen!

Nach unterschiedlichen Eigentümern ging das Gebäude 1971 in den Besitz des Malteserordens über, was der Grund für ihren heutigen Namen „Villa Malta“ ist. Es gibt noch ganze viele tolle Geschichten zu jeder der Villen unten am Rhein. Interessant ist zum Beispiel auch, dass der Erfinder von Afri Cola und Bluna auch eine Villa dort erbaute. Es ist direkt die neben dem Treppchen. Also, achtet mal drauf! Und, wieder ein Punkt für Rodenkirchen. Denn, mal ehrlich: Sind wir hier nicht alle ein bisschen Bluna?

Auf den Spuren von Romy Schneider wandeln

Rodenkirchen, Heldin des Alltags

Ansichtskarte Köln-Rodenkirchen: Kapelle ca. 1930er… So sah die Rheinstation vor 85 Jahren aus… Fast so wie heute…Foto: Thomas Gaida

Jetzt kommt der Grund überhaupt, warum ich glaube, dass ich hier voll und ganz hin gehöre. An der Stelle, wo heute der nicht gerade in Schönheit ausartende Wohnkomplex „Bellevue“ steht, stand bis 1969 das ehemalige mondäne Hotel „Bellevue“ mit wunderbarer Außenterrasse und Blick auf den Rhein! Erbaut hatte es, und jetzt kommt’s, der Stiefvater von Romy Schneider. Die war auch ziemlich oft hier. Als ich das erfuhr, war es um mich vollends geschehen. Ganz klar, dass ich auf den Spuren dieser Filmstars wandeln muss…;) Und, wahrscheinlich ist es auch kein Wunder, dass kleine und größere Filmbiz-Größen einem noch heute in Rodenkirchen oft über den Weg laufen. Apropos Hotel: Wir hatten dann einen wunderbaren Zwischenstopp in der „Rheinstation“, wo uns einige unserer tollen Unternehmerinnen unter Leitung von Juliette Schoppmann, ehemals Zweite von DSDS (es hört einfach nicht auf mit den Stars…), ein ganz besonderes Ständchen zum besten gaben. Die Stimmung war großartig. Übrigens, wusstet ihr, dass das ganze Rheinufer früher von der Quetsch hoch mit Cafés, Restaurants und Hotels voll gespickt war. In Hochzeiten ankerten hier zudem 21 Bootshäuser am Rheinufer. Nicht umsonst trägt Rodenkirchen auch heute noch den Namen „Kölsche Riviera“.

Rodenkirchen, my Love!

Rodenkirchen, Heldin des Alltags,

Wer stirbt nicht bei diesem Anblick? Foto: Christiane Wittkamp

... und hier braucht man ja wohl nichts mehr sagen? Ohne Worte..., Foto: Christiane Wittkamp

… und hier braucht man ja wohl nichts mehr sagen? Ohne Worte…, Foto: Christiane Wittkamp

Zum Abschluss hatten wir das Glück, auch noch kurz einen Blick in das „Kappellchen“ werfen zu dürfen. Hier erfuhren wir viele wunderbare Insights zu Maternus, Köln und Rodenkirchen. Weil es so viel war, und weil jeder eine Tour bei Elke Hecker mal selbst mitmachen soll, hier nur die Highlights: Es gab einen Streit um die Reliquien von St. Maternus, da er Bischof in Trier, Tongeren und Köln gewesen war. Deshalb wurde ein Boot mit seinen Gebeinen in der Mitte dieser drei Städte auf den Rhein geschickt und entsprechend der Richtung, in der das Boot fuhr, sollten die Überreste hingebracht werden. Stromaufwärts nach Trier, stromabwärts nach Tongeren. Jetzt könnte jeder durchschnittlich intelligente Mensch sagen, wie denn ein Boot stromaufwärts fahren soll. Wie das Wunder es aber wollte, fuhr das Boot, wie erwartet erst einmal stromabwärts und änderte dann plötzlich die Richtung stromaufwärts. So, jedenfalls die Legende. In der Höhe von Rodenkirchen verfing es sich am Ufer. Zu Ehren Maternus wurde deshalb hier das kleine Kappellchen erbaut. Noch heute soll ein Teil seiner Reliquien in einer kleinen goldenen Kiste in der Wand eingelassen, aufbewahrt werden. Apropos Reliquien: Köln ist übrigens vor allem so groß und bedeutend geworden, weil es so viel vom Reliquienhandel und -tourismus verstand. Vor allem die Gebeine der Heiligen drei Könige nach Köln zu bringen, aber auch das Ausnutzen von kleinen Lesefehlern oder Zahlendrehern von zum Beispiel 11 in 11.000 Jungfrauen, deren Reliquien dann fleißig verkauft werden konnten, machten diese Stadt so bekannt.

Und natürlich noch tausend andere Geschichten, Anekdoten, Klüngel und wahre Ereignisse. Ich, jedenfalls, bin neu entflammt für das Veedel, in dem ich wohne. Und, endlich wundert mich hier gar nichts mehr…. Nicht die Mercedes-Türen, die am Fahrbahnrand seitlich hochklappen, die Ferrari, Lamborghini und Maserati, die mit ihrem Sound die Straßen hier aufmischen und auch nicht die Hermès-Taschen, Pradaschuhe und Chanel-Kostüme, die regelmäßig in unserem „Café Superwichtig“ (Linos) vor allem samstags gegen 13 Uhr zu Champagner und Austern ausgeführt werden. Ne, wundert mich einfach nicht mehr. Geht gar nicht anders bei dieser Historie…

Liebsten Dank an Elke Hecker für die wunderbare Führung, die ich so bald wie möglich noch einmal wiederholen werde (Wer weiß, vielleicht schreibe ich ja doch noch ein Buch und dann über die tollen Rodenkirchener (Geschichten)…), www.blickpunkt-koeln.de, an Thomas Gaida, für die Erlaubnis seine Bilder vom alten Rodenkirchen und natürlich an Christiane Wittkamp, ihre vom aktuellen Rodenkirchen, zu nutzen. Mit einem Klick auf’s Bild werden sie übrigens größer…

3 thoughts on “Mondänes Rodenkirchen: Stadtführung in eine fast vergessene Zeit

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