Ein Hauch von Endgültigkeit spüren

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Vielleicht ist es ja dem einen oder anderen aufgefallen: In den letzten drei Wochen war es ruhig um mich.
Vielleicht ist es ja dem einen oder anderen aufgefallen: In den letzten drei Wochen war es ruhig um mich. Fast hätte es sogar geheißen: “Hier ruht….” Ne, zum Glück war es nicht ganz so dramatisch. Aber es hat ausgereicht, einen Hauch von Endgültigkeit zu spüren.

Puh, das war mal ganz schön knapp… Noch immer bin ich ein bisschen geschockt. Für einen kleinen Moment war ich mit dieser Endgültigkeit konfrontiert. Einer Endgültigkeit, die so hart und kalt sonst kaum im Alltag zu fühlen ist. Nicht damit zu vergleichen, wenn man verlassen wird und denkt, man müsse auf der Stelle sterben. Denn wir wissen ja eigentlich, dass es nicht so ist. Ne, diese Endgültigkeit ist einfach endgültig. Schluss, aus, basta. Da ist nichts mehr.

Das Leben schreibt mitunter die schlechtesten Filme

Eigentlich habe ich die letzten zwei-drei Wochen wie in einem schlechten Film gelebt. Wie in einer Luftblase, von Wartezimmer zu Wartezimmer zur Notaufnahme. Stundenlang gewartet, kaum Luft geholt. Vor Angst, die Realität bewusst wahrzunehmen. Lieber ablenken, wobei an lesen oder gar arbeiten (natürlich schleppte ich die ganze Zeit meinen Laptop mit) nicht zu denken war. Stumpfsinnige Stunden über Stunden vergingen. Keiner wusste nichts. Alle hofften und waren sich sicher, dass es am Ende gut ausgeht. Et hätt schon immer jot jejange…

Grey’s Anatomy live

Ich hatte mich abgeschaltet, tot gestellt. Schon mal so zur Probe. Je weniger Gefühl, desto weniger Schmerz. Reine Schutzvorkehrung. In den schlimmsten Minuten vor der OP habe ich die Tränen dann einfach fließen lassen. Ich konnte nichts mehr tun. Nur hoffen, dass ich mit so wenig Zugängen wie möglich aufwache. Ich wusste, keinen Port an der Schulter wäre die beste Option. Alle hatten Verständnis, alle trösteten mich. Das war entzückend. Mein Humor ließ mich zum Glück auch da nicht im Stich und so fragte ich in dem kalt gekachelten OP-Vorbereitungsraum nach, wie es denn mit Amouren à la Grey’s Anatomy aussah und erfuhr, dass da so einiges geht. Dachte ich es mir doch! Das war das Letzte, was ich von davor weiß.

Glück im Unglück

Als ich aufwachte, drehte ich erst einmal meinen Kopf nach rechts und links. Nichts. Riesige Erleichterung. Dass es zwischendurch nicht ganz so lustig war, erfuhr ich später. Nur noch die Nacht ohne Fieber durchstehen und ich hatte es geschafft. Und, was soll ich sagen? Ich war schnell über dem Berg und hatte soooo viel Glück im Unglück! Und diese Woche kam dann endlich die endgültige Entwarnung! Ich werde euch wohl noch länger erhalten bleiben. Ich bin ganz erschlagen und müde. Die Anspannung fiel von mir ab. Mein Körper bleischwer.

Neu justiert

Dazu sind die kleinen alltäglichen Kataströphchen geradezu ein Witz. Vor dieser Endgültigkeit erhält einfach alles einen neuen Bezugspunkt. Alles andere wird unscharf. Nur die eine Frage ist präsent. Gut oder nicht? Und, jetzt, wo alles gut ist, muss ich mich langsam wieder ins Leben einreihen, wieder im richtigen Takt ticken.

Übrigens: Es ist nicht so, dass ich nach dieser Erfahrung alles neu, alles anders machen will. Mit einigen Dingen möchte ich aber konsequenter sein und besser für mich sorgen. Im Großen und Ganzen habe ich festgestellt, dass ich mein Leben mag. Ich hätte nichts bereut. Nichts anders haben wollen (na ja, bis auf eine größere Wohnung…. Übrigens kennt einer einen, der einen kennt, der eine Wohnung zu vergeben hat? 3 Zimmer mit Balkon im Kölner Süden…) Und das ist gut so.

Das Einzige, was ich unendlich traurig und schade gefunden hätte, war, dass ich meine vielen Träume, Ziele und Projekte (ob meines hohen Alters) hätte nicht mehr angehen können. Stellt euch vor, keine neuen Blogs mehr? Das hätte ich echt doof gefunden. Und natürlich auch, dass ich meine Lieben nicht mehr hätte sehen können (oder nur von oben).

P.S.: Apropos, ich danke meiner Familie, meinem Partner und meinen Freunden, die mich in dieser Zeit unterstützt haben und meinen Kunden für ihr Verständnis. Und natürlich meinen tollen Ärzten, die alles getan haben, dass ich ganz schnell wieder auf den Beinen bin…

Ich hoffe, ihr findet den Text nicht zu traurig oder gar doof. War aber wichtig für mich. Ist ein bisschen therapeutisch… Ich arbeite daran, wieder Lustiges zu erleben, um euch davon zu berichten.
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