Bye, bye Linos: Unser “Café Superwichtig” muss schließen…

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Gerade sitze ich im Linos und trinke wahrscheinlich meinen letzten Latte Macchiato hier. Das Linos war über Jahre mein/unser Wohnzimmer.
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Bye, bye Linos…

Gerade sitze ich im Linos und trinke wahrscheinlich meinen letzten Latte Macchiato hier. Das Linos war über Jahre mein/unser Wohnzimmer. Auch wenn ich in der letzten Zeit nicht mehr so oft da war, liebe ich es! Jetzt bleiben unserem „Café Superwichtig“, wie es auch liebevoll genannt wird, noch genau acht Tage. Dann ist es einfach weg…

Unser Lieblingscafé, bzw. die Menschen dahinter, mussten oft schon um seine Existenz kämpfen. Und so oft haben sie gewonnen! Denkt an die Sache mit dem Zelt! Den Prozessen gegen den Lärm auf der Terrasse. Jüngstens den Fall, dass die eine Hälfte auf einmal nur noch Laden sein durfte. Auch wenn ich nicht ganz genau weiß, warum es Menschen gibt, die erst nach ihrem Einzug merken, dass unter oder neben ihnen, oh mein Gott, auch ein Café ist, oder es welche gibt, die aus einem privaten Streit, zu solchen Methoden greifen…. Klar, ich weiß auch, dass es diesmal doch etwas anders gelagert ist…

 

Tausend Geschichten zu erzählen…

Ich weiß aber auch, dass das Linos, ganz gleich wie “strange” es auch manchmal ist, ein Café mit tausend Geschichten ist. Wie viel haben wir dort erlebt, vielleicht nicht die letzten ein zwei Jahre, aber früher saßen wir dort alle. Wir haben uns vor allem alle dort kennengelernt. Man musste nicht verabredet sein. Wir haben uns einfach an einen Tisch dran gesetzt und gequatscht. Jeden Tag neue Leute, neue Freunde, neue Lieben kennen gelernt. Es war unser “Cheers”. Ohne Witz, ich habe oft mit anderen darüber nachgedacht, dass wir die Geschichten nehmen und daraus eine Soap machen!!! Ganz ehrlich, welche Kneipe, Café oder Gastronomie kann das von sich erzählen, was das Linos von sich erzählen kann?

 

Unglaublich, was wir hier erlebten…

Hier habe ich gelernt, Alkohol zu trinken, nicht wahr M.? Wo ich lange nur als die Frau mit dem Laptop galt… Und, wie mir auch mal gesagt worden ist, als die einzige mit Hobbies…. wurde ich, obwohl ich erst (und wahrscheinlich auch später noch…) als etwas schräg angesehen wurde, toll von allen angenommen. Wisst ihr noch, wie wir an einem Sommerabend zur Gitarre auf der Terrasse gesungen haben? Wir mussten nicht nach Hause, um (damals noch im Fernseher) Dramen zu schauen… Wir bekamen sie fast allabendlich live präsentiert. Mit sich streitenden Pärchen, fliegenden Aschenbechern…. Nein, langweilig wurde es uns hier nie…
Hier wurden wir Weltmeister, auch wenn wir das 1 zu 0 nicht live sehen konnten, weil prompt zwei Minuten davor die Leitung zusammenbrach und ich als einzige auf meinem iPhone den Siegesschuss mitbekam, allerdings so verrückt herumschrie, dass Mann mich lieber einweisen wollte als mit mir mitzujolen!!! Im Linos starteten wir unzählige Freitag- und Samstagabende!  Hier tanzten wir mit Highheels auf der Theke und feierten ins neue Jahr hinein…

 

Linos, mach‘s gut…

Nicht, dass es jetzt so rüberkommt, dass alles nur super im Linos war… Denn es wurde gelästert, was das Zeug hält. Aber es wurde auch verziehen und vergeben, geheult und noch mehr gelacht! Man kann das Linos und seine Gäste oberflächlich nennen, aber hinter jedem von uns steckt eine besondere Geschichte und alle hier haben ein gutes Herz. Jedenfalls ist das meine Erfahrung: Ich wurde als, gefühlt einzige, alleinerziehende Mutter in Rodenkirchen, auch von den vermeintlich Reichen und Schicken immer herzlichst aufgenommen. Keiner von ihnen war jemals arrogant zu mir. Darauf lasse ich nichts kommen. Ich finde so und so, dass sich jeder erst einmal die Mühe machen sollte, Menschen wirklich kennen zu lernen. Und auch jemand mit dem neuesten Schlitten (der wahrscheinlich noch nicht einmal in der Autobild vorgestellt wurde… Da fällt mir auf, dass es hier auch fast unmöglich ist, einen Golf zu Gesicht zu bekommen…) kann ein toller Mensch sein… Aber gut, ich schweife ab… Egal, wie hart und anstrengend es also auch manchmal war, oder wie schnell Gerüchte ihre Runde machten – das Linos hat uns alle zusammengebracht!
Während ich hier sitze, gehe ich die unzähligen Erlebnisse, Dramen und Gespräche durch… Man kann sagen, was man will, ohne Linos ist Rodenkirchen nicht mehr das, was es mal war.

 

Finale oder gibt es noch eine Hoffnung?

Ich bin sehr traurig, irritiert und wirklich wütend darüber, dass wieder ein wenig Lebendigkeit und Leben in Rodenkirchen stirbt. Ich habe nichts gegen Apotheken, Bäcker und Friseure, aber nicht jeder Rodenkirchener braucht einen eigenen. Ich möchte abends ohne Nachdenken sofort auch ein paar nette Treffpunkte wissen, wo ich hingehen kann, um Geschichten zu schreiben oder eben die Geschichten der anderen brühwarm erzählt zu bekommen….

Oder, und das wäre das Tollste – wir zusammen neue Geschichten schreiben! Wer weiß?

 

PS: Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt… Prompt als ich diesen Artikel am Donnerstag live vor Ort im Linos hochladen wollte, wurde mein Blog gehackt… Spooky, sage ich nur! Zum Glück ist jetzt wieder alles gut! Eigentlich hatte ich den Link zur Petition fürs Linos hier eingebaut… Aber aus Angst, dass meine Seite dann wieder weg ist, verweise ich auf meinen Facebook-Account. Da findet ihr die Petition finden!

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